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atelier claudia + thomas weil ornament architektur kunst |
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Geschichte des Ornaments Die Geschichte des Ornaments ist hochspannend. Keine Kunstform ist so verteufelt und so geliebt worden, schwankt so zwischen erhaben und banal, zwischen überladen und minimal, zwischen Kosmos und Kitsch und zwischen elitär und populär. Die Mischung ist deshalb so bunt, weil hier Menschen aller Begabungen und allen Zeiten aus allen Kulturen und Kontinenten mitgewirkt haben. Das Ornament existiert, seit die Menschen ihre Vorstellungswelt gestalten. Angefangen hat alles mit geometrischen Zeichen, die auf Wände und Gegenstände gemalt oder geritzt wurden, und mit Schmuckketten und Steinsetzungen, die eine Ordnung erkennen lassen. Diese Ornamente waren in den Wandbildern gleichzeitig mit den Abbildungen von Natur zu sehen. Die Menschen gestalteten hier zwei Vorstellungswelten parallel: die Welt als Abbild und die Welt als Ordnung – oder einfacher: die Hirschkuh und das Quadrat. Offensichtlich erfüllten das Ornament und das Abbild zweierlei formal getrennte, aber innerlich zusammengehörige Grundbedürfnisse, wobei das Ornament bis heute das Bedürfnis nach Geometrie, Ordnung, Abstraktion, Magie und Schmuck erfüllt. In einem Siegeszug ohnegleichen eroberte das Ornament alle Länder, alle Kulturen, alle sozialen Schichten, alle Epochen und alle nur denkbaren Materialien. Jedes Land, jede Kultur und jede Epoche hatten eine eigene Ornamentgeschichte. Manche Länder entwickelten dann das Ornament sogar zur einzigen Kunstform wie der Islam. Manche Länder haben sich gegenseitig so stark beeinflusst, dass eine eigene Ornamententwicklung nur schwer erkennbar ist, andere Länder fanden zu einer organisch gegenständlichen Ornamentik. In Europa gab es zeitlich aufeinander folgende, trennbare Stilfolgen mit einer zugehörigen Ornamentik, die mehr oder weniger stark in den Vordergrund trat , was seit dem 15. Jahrhundert puro et ornato genannt wurde. Das alles vollzog sich einigermaßen überschaubar, bis die Europäer Mitte des 19. Jahrhunderts plötzlich aus dieser Entwicklung ausbrachen, und etwas Neues seinen Anfang nahm. Wir wissen nicht, warum sich nach dem Klassizismus kein einzelner neuer Stil mit einer dazugehörigen Ornamentik mehr durchsetzte wie bisher und es stattdessen plötzlich viele Stilrichtungen mit ebenso vielen Ornamentstilen gab. War die Unfähigkeit, die schöpferischen Kräfte zu einem einzigen Stil zu bündeln, ausgelöst worden vom Kolonialismus, der Bekanntschaft mit dem Orient, mit Fernost oder mit Afrika? Ab diesem Zeitpunkt wurde jedenfalls nicht Eigenes mehr entwickelt, sondern es wurde im Formenrepertoire sowohl der eigenen Vergangenheit als auch der von anderen Ländern gewildert (Owen Jones, Grammar of Ornament, 1856), sodass es um 1850 schon über 20 Ornamentstile gab (10 außereuropäische, 10 europäische). Dann überschlugen sich die Ereignisse. Unter den Intellektuellen setzte eine hektische Diskussion ein über den Sinn des Ornaments, mit dem unvorhersehbaren Ergebnis, dass noch mitten in der Diskussion das Ornament plötzlich selbst auf der Abschussliste stand. Es verschwand scheinbar mit einem Schlag ab 1910. Was war passiert? Diejenigen Künstler, die in die Zukunft schauen wollten, hatten das seit 50 Jahren andauernde Stilgemisch von Pompejanisch, Barock, Chinesisch und Elisabethanisch und ähnlichem so gründlich satt, dass sie dieses und das Intellektuellengeschwätz mit einer neuen Praxis zur Seite fegten. Für uns heute unverständlich war für sie der Hauptsündenbock jedoch nicht das verwirrende Stilgemisch, sondern das Ornament und alles Dekorative selbst. Deshalb setzten sie zuerst einen Stil ohne Ornament, „die Moderne“, durch und dazu passend die weiße, leere Wand. Sie hatten sich aber zusammen mit Architekten und Designern folgerichtig nicht nur gegen das Ornament, sondern auch gleichzeitig gegen die gegenständliche Kunst und für eine ungegenständliche und abstrakte Kunst entschieden. Das alles zusammen bedeutete eine völlige Umorientierung alles schöpferischen Kräfte. Heute, nachdem der Stil der Moderne bröckelt und das Ornament wieder in allen Bereichen der gestalteten Umwelt auftaucht, können wir feststellen: 1. Das Ornament ist nie abgeschafft worden, sondern hat unter dem neuen Stil der Moderne nur ein neues Aussehen erhalten. Die Künstler haben unbewusst ein „minimalornament“ entwickelt mit einfachen Ordnungsprinzipien wie Streifen, Quadraten, Rechtecken oder nur Rasterpunkten. In der Minimalart werden sie direkt zur Schau gestellt, ansonsten tauchen wie überall als ornamentale Strategien sprich Ordnungshilfen auf. Daneben existiert es auch in der tradierten Form ganz offiziell weiter, in den 20er Jahren erst als Art déco und heute mit Kaufhausniveau. 2. Nachdem das Ornament lautstark offiziell abgeschafft worden war, lebte es im Unterbewussten der Menschen als Ordnungsstrategie weiter. Die Tatsache, dass es nach 100 Jahren wieder auftaucht, zeigt, dass es kein Stil, sondern ein Bedürfnis ist, (Grundbedürfnis nach Ordnung), welches man nicht negieren oder gar abschaffen kann. 3. Es hat zwischendurch immer wieder Versuche gegeben, das Ornament neu zu beleben. Doch sie sind alle daran gescheitert, weil sie in der Vorstellung von dem tradierten Bild des Ornaments ausgegangen sind und nicht gesehen haben, dass es längst eine moderne Version von Ornament gibt und deshalb eine Wiederbelebung des Alten gar nicht möglich oder nötig ist. 4. Wie schon damals vor über 100 Jahren hinkt die jetzt wieder beginnende intellektuelle Auseinandersetzung über das Ornament unserer Zeit hinterher. Wieder werden alte Zitate herausgeholt, anstatt zu verstehen, dass Ornament nichts anderes ist, als das Spielen mit Ordnung und Formen. 5. Mit der Abschaffung des Ornaments wurde gleichzeitig seine eigentliche Domäne, die der Abstraktion und der Ungegenständlichkeit, aufgegeben und in die bildende Kunst verlagert. Dies hatte zur Folge, dass die bisher allgemeine Verständlichkeit von Abstraktion in Form von Ornament wegfiel und nun nur in Form von moderner gegenstandsloser Kunst auftauchte, aber hier nur von wenigen verstanden wird. Ein allgegenwärtiger, elitärer Kunstbetrieb wirkt immer noch lähmend auf die Künstler, die sich wieder rückhaltlos zum Ornament bekennen und auf diesem Gebiet neue Wege gehen. Viele neue Ansätze von Ornament in Architektur, Design und Kunst, und vor allem im Mediendesign haben sich jedoch unaufhaltsam einen neuen Weg gebahnt. Wie sieht es heute mit der Akzeptanz des Ornaments im Rest der Welt aus? Das Ornament im islamischen Orient hat seine Kraft eingebüßt; dennoch wird dort von einer Wiederbelebung geträumt. Der Ferne Osten hat hingegen noch eine ungebrochene Ornamenttradition, die parallel zum modernen Leben existiert. Afrika lebt weiterhin seine alte Tradition, in Australien erleben die stark ornamentalen Kunstwerke der Aborigines ein Revival und Südamerika dämmert noch zwischen kolonial und präkolumbial. |
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